DP World Tour Championship: McIlroy räumt doppelt ab

Nach einer Vielzahl verpasster Titelchancen konnte Rory McIlroy seine letzte in diesem Jahr endlich nutzen – und das sogar doppelt. Beim Saisonfinale in Dubai fuhr er nicht nur den Turnier-, sondern auch den Gesamtsieg ein.
Dass McIlroy die Saisonwertung gewinnen wird, war schon früh im Wettbewerb klar, denn sein einziger verbliebener Konkurrent strahlte in dieser Woche keinerlei Gefahr aus. Thriston Lawrence hätte dafür die DP World Tour Championship schon gewinnen müssen, rangierte aber durchgängig im Mittelfeld und belegte am Ende den geteilten 30. Platz.
Dadurch konnte sich McIlroy risikofrei auf seine zweite Titelmission konzentrieren. Schon am Donnerstag hatte er die Führung übernommen, die er sich mit Tyrrell Hatton teilte. Nach der zweiten Runde am Freitag lagen die beiden Ryder-Cup-Kollegen dann einen Schlag hinter Antoine Rozner.
Während Hatton am Samstag etwas zurückfiel, holte McIlroy den Spitzenreiter wieder ein. Hinzu kam auch noch Rasmus Højgaard, der mit dem Weltranglistendritten im Finale den letzten Flight bildete. Das Trio lag nach dem Moving Day gleichauf bei zwölf unter Par. Zwei Schläge dahinter folgten Joaquín Niemann und Jesper Svensson.
Stark angefangen, nachgelassen und aufgehört
Am Sonntag startete Rozner als Einziger aus der Spitzengruppe mit einem Schlaggewinn. McIlroy unterlief zum Auftakt sogar ein Bogey, aber danach drehte er auf. Vom zweiten bis zum fünften Loch gelangen ihm vier Birdies in Folge, mit denen er die Führung eroberte. Zwischenzeitlich verfügte er über einen Vorsprung von drei Schlägen.
Es folgte jedoch eine Leistungsdelle in der Mitte seiner Schlussrunde. McIlroy blieb vom sechsten bis zum 15. Loch ohne Schlaggewinn. Stattdessen kassierte er zwei Bogeys auf der neunten und 13. Bahn. Weil sich Rozner, Niemann und Svensson zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem Titelrennen verabschiedet hatten, kam es nun zu einer Matchplay-Situation im letzten Flight.
McIlroy und Højgaard gingen Kopf an Kopf mit −13 auf die abschließenden drei Löcher – und dort zeigte McIlroy seine ganze Klasse. Ein brillanter Annäherungsschlag auf der 16 sicherte ihm ein Tap-in-Birdie. Auf der 18 beendete er seine Runde – und seine monatelange Durststrecke – mit einem weiteren Schlaggewinn. Letztlich gewann er das Turnier mit einem Gesamtergebnis von −15 und zwei Schlägen Vorsprung auf Højgaard.
Versöhnlicher Jahresabschluss für McIlroy
Der Sieg war zweifellos hochverdient. Mit Runden von 67, 69, 68 und 69 blieb McIlroy auf dem Par-72-Kurs als einziger Teilnehmer an allen vier Tagen unter 70. Diese Konstanz auf höchstem Niveau sorgte für den versöhnlichen Abschluss eines komplizierten Jahres.

Dabei hatte dieses eigentlich so gut begonnen: Mit seinem vierten Sieg beim Hero Dubai Desert Classic kam McIlroy im Januar perfekt in die neue Spielzeit. Später gewann er auf der PGA Tour noch das Zurich Classic of New Orleans und die hochdotierte Wells Fargo Championship.
Doch sein erster Major-Sieg seit mittlerweile zehn Jahren war McIlroy erneut nicht vergönnt. Besonders niederschmetternd: Bei der U.S. Open stand er kurz davor, verspielte aber auf der Zielgeraden seine Führung. Auf der DP World Tour musste er sich danach bei der Amgen Irish Open und der BMW PGA Championship ebenfalls mit dem zweiten Platz begnügen.
Deshalb wirkte der Triumph in Dubai nun wie eine Erlösung. Bei den Feierlichkeiten direkt im Anschluss wurde McIlroy sichtlich emotional. Mit seinem dritten Sieg bei der DP World Tour Championship hat er außerdem die Bestmarke von Jon Rahm eingestellt.
Die Harry Vardon Trophy hat McIlroy sogar schon zum sechsten Mal gewonnen. Damit kommt er nun auf ebenso viele Gesamtsiege wie Seve Ballesteros. Mehr hat nur noch Colin Montgomerie, der die Saisonwertung achtmal für sich entschied. Durchaus vorstellbar, dass McIlroy diesen vermeintlich ewigen Rekord in den nächsten Jahren bricht.
Zweifacher Zahltag
Sein Doppelsieg lohnte sich für McIlroy auch finanziell doppelt. Neben dem Preisgeld von knapp drei Millionen US-Dollar für die DP World Tour Championship erhielt er als Saisonchampion zwei Millionen aus einem Bonuspool.
Innerhalb der Top Ten, die von den insgesamt sechs Millionen US-Dollar profitieren, gab es einige Verschiebungen. Für Højgaard ging es rauf vom dritten auf den zweiten Platz, der gleichbedeutend mit einer Million zusätzlich war. Hatton, der in Dubai Sechster wurde, kletterte in der Saisonwertung vom sechsten auf den vierten Rang und wurde dafür mit 550.000 US-Dollar belohnt. Zwischen den beiden steht Lawrence, der einen Platz verlor, aber immer noch 750.000 US-Dollar zusätzlich verdiente.
Paul Waring (5.), Billy Horschel (6.), Tommy Fleetwood (7.), Adam Scott (8.), Robert MacIntyre (9.) und Jesper Svensson (10.) komplettierten die Top Ten. Horschel belegte bei der DP World Tour Championship nur den 47. Rang und verlor dadurch in der Saisonwertung zwei Plätze. Waring, Fleetwood (beide T16) und MacIntyre (T7) verteidigten ihre ursprüngliche Position im Ranking. Scott (T3) und Svensson (T7) schafften den Sprung unter die besten Zehn. Dafür fielen Niklas Nørgaard (T40) und Matteo Manassero (T30) heraus.
Drama um die Doppelmitgliedschaft
Nørgaard und Manassero dürfte allerdings trösten, dass beide trotzdem in der kommenden Saison auf der PGA Tour antreten dürfen. Zehn Doppelmitgliedschaften gab es für all diejenigen zu gewinnen, die noch keine hatten. Højgaard, Lawrence und Waring hatten ihre schon vor dem Turnier sicher. Neben Svensson verteidigten auch Thorbjørn Olesen (T24) und Rikuya Hoshino (T28) ihre Spielberechtigung.

Jordan Smith (T19) und Sebastian Söderberg (42.) verloren dagegen auf den letzten Metern die Tourkarte. Stattdessen können Rozner (T3) und Tom McKibbin (T11) ihr Glück in Übersee versuchen. Ganz bitter war es für Smith, der in Dubai kein schlechtes Turnier spielte und trotzdem das Nachsehen hatte. In der Saisonwertung fehlten ihm am Ende nur rund zehn Punkte – oder umgerechnet ein Schlag – auf McKibbin.
Paul im hinteren Mittelfeld
Der einzige Teilnehmer aus der DACH-Region hatte mit all dem Drama vor ihm nichts zu tun. Yannik Paul landete mit Runden von 73, 70, 72 und 73 sowie einem Gesamtergebnis von Even Par auf dem geteilten 34. Rang. In der Saisonwertung fiel er dadurch vom 46. auf den 47. Platz. Ein besseres Resultat verhinderten vor allem die Front Nine des Earth Course, auf denen der Deutsche insgesamt zwölf Bogeys hinnehmen musste – fünf davon in der Schlussrunde.
Fotos: AFP